Stammesführer
Chief Joseph

Im Laufe der Zeit des Indianers gab es immer wieder Persönlichkeiten die durch Taten über ihren Tod hinaus
weiterhin im Gedächtnis der Menschen geblieben sind. Ich möchte zunächst mit einem Indianer beginnen, der auch heute
immer noch bekannt ist, durch das was er getan hat. Er wurde nicht berühmt durch die Kriege, welche er mit den Weißen
geführt oder durch Greultaten, sondern alleine dadurch das sein Streben seinem Volke galt, ging er in die Geschichte ein.
Es ist nicht Sitting Bull, Red Cloud, Grazy Horse.
Sein Name war HEINMOT TOO-YA-LA-KEKT. Dieser Name bedeutet: Donner-der-über-die-Berge-rollt und er erhielt ihn im Alter von 11 Jahren bei Schutzgeisttanz. Euch wird dieser Name nicht viel sagen, aber vielleicht ist euch sein Name, den die Weißen ihm gegeben haben, geläufiger. Dieser Name ist euch besser bekannt: Chief Joseph. Wer war nun der Mensch ? Ich möchte versuchen euch ein Bild von diesem Indianer aufzuzeigen.
CHIEF-JOSEPH wurde im Jahre 1840 geboren und lebte mit seinem Stamm im Wallowa Valley, im heutigen Montana und an der Ostgrenze Oregons. Ihr Land lag also im äußersten Nordwesten der Vereinigten Staaten. Die Nez-Perce hatten eine ansehnliche Erscheinung und galten allseits als edelmütig, tapfer und intelligent. Sie waren ein stolzes und faires Volk. Der Name NEZ-PERCE bedeutet durchbohrte Nasen. Diese Bezeichnung haben kanadische Pelzjäger erfunden, weil sie auf einige dieser Indianer trafen, die ihre durchbohrten Nasen mit Muscheln geschmückt hatten. Aber nur wenige Indianer sahen so aus. In der Sprache der Indianer hießen sie NIMIPU. Sie lebten in Einklang mit der Natur, Tieren und Pflanzen und betrachteten und achteten sie als gleichberechtigte Lebewesen. Dieses bedeutete, daß sie sich z.B. nach Erlegen eines Wildes, bei diesem entschuldigten und ihnen erklärten, daß sie sein Fell, sein Fleisch brauchten, damit sie weiterleben konnten. Sie erlegten auch nur soviel, wie Bedarf vorhanden war. Nie zum Spaß oder aus fahrenden Zügen Büffel abschießen, wie die Weißen es später taten. Diese Grausamkeit der Natur und den Tieren gegenüber war nicht zu überbieten. Zurück zu den Nez-Perce, zu Cief-Joseph.
( Chief Joseph mit ca. 25 Jahren )
Als er 33 Jahre alt war, im Jahre 1871, nach dem Tode seines Vaters, ging die Oberhäuptlingswürde an ihn über und war 31 Jahre Häuptling über die Nimipu. Er lebte mit seinem kleinen Stamm von ungefähr 1000 Personen, davon ca.250 Krieger, in Frieden mit seinen weißen Nachbarn und stellte ihnen sogar Scouts zur Verfügung. Sie lebten ruhig in ihrem Tal und züchteten Pferde. Die berühmten Andalousiern haben hier ihren Ursprung. Dann kam der verhängnisvolle Tag an dem in ihrem Tal Gold gefunden wurde und die Goldsucher drangen in ihr Reservat ein und stahlen ihnen Pferde und Rinder. Die US-Regierung wollte sie ins Lapwai-Resverat in Idaho schicken. Als sie sich weigerten, wurde ihnen angedroht sie mit Gewalt auszusiedeln. Im Juli 1877 hielten Chief-Joseph, White Bird und Looking Glass Kriegsrat und überlegten, was zu tun wäre. Sie führten eine Volksbefragung durch und entschieden sich, lieber nach Kanada auszuwandern als länger in den USA zu bleiben. Es wäre also für die Regierung nichts leichter gewesen, die Nimipu in Frieden nach Kanada ziehen zu lassen, denn dort waren sie willkommen. Aber die US-Regierung wollte ein Exempel statuieren. Es ging nicht darum, sie aus ihren Reservaten zu vertreiben oder amerikanische Zivilisten oder Soldaten zu schützen. Die Indianer hätten auch keine zusätzlichen Kosten verursacht oder es wäre von ihnen eine Gefahr ausgegangen, nein, es ging einzig und allein um die Durchsetzung von selbstherrlicher Vorstellung. Die US-Regierung wollte ihre Macht, ihren Einfluß beweisen und durchsetzen, daß sich in ihren Augen eine sogenannte unterprivilegierte Bevölkerungsgruppe unter allen Umständen an die einmal gegebenen Befehle zu halten hat.
Chief Joseph trug seinen Entschluß, nach Kanada auszuwandern General Howard vor. Er nahm zu diesem Gespräch seinen
Schamanen mit, der als häßlich und scharfzüngig galt mit. Nach einem heftigen Streitgespräch, ließ der General den Schamanen
festnehmen und gab Chief Joseph den Befehl innerhalb einer Frist von 30 Tagen in die Reservation nach Idaho überzusiedeln.
Doch Joseph erhob Einspruch, da der Fluß Snake River, an sie lebten, einen hohen Wasserstand besaß und das Vieh der Nimipu
weit verstreut war. Aber der General lehnte unbarmherzig ab und teilte ihm mit, daß er nach Ablauf dieser Frist Chief
Joseph und seinen Stamm mit Hilfe der Soldaten vertreiben würde und die Pferde und die Rinder, die sich außerhalb des
Schutzgebietes befinden, würden dann in den Besitz der Weißen übergehen. Man beschloß, um die Frist einhalten zu können,
mit einem Teil seines Stammes davon zu ziehen. Der inzwischen freigelassene Prophet versuchte Chief Joseph zu überreden,
einen Krieg gegen die Weißen zu führen, aber darauf wollte sich der Oberhäuptling nicht einlassen. Er wollte in Frieden mit
seinem Stamm leben. Aber nicht alle waren seiner Meinung und so zogen eines Nachts einige junge Krieger los und töteten
mehrere Weiße. Dieses taten sie in der Absicht sich für den Rinderdiebstahl und für die Vertreibung aus ihrer über alles
geliebten Heimat zu rächen. Als Chief Joseph von diesem Friedensbruch hörte, entschloß er sich schnellstens in Richtung
Montana zu ziehen. Aber die Verfolger waren ihm auf den Fersen. Chief Joseph wollte immer noch keinen Krieg gegen die
Weißen führen, war aber gezwungen sich gegen seine Verfolger zu wehren. Er sandte Spähtrupps los, die jede Bewegung der
weißen Soldaten beobachteten. Er fühlte sich in die Enge getrieben, weil die Weißen immer wieder Verträge brachen. Nun
wurde er zum Krieg gezwungen, um seinen Volk solange wie möglich die Freiheit zu erhalten.

Chief Joseph erwies sich in diesen Jahren des Krieges als der wohl genialste indianische Feldherr, der für die Freiheit
seines Volkes kämpfte. Er war ein Häuptling, der nie Verträge brach. Doch die Weißen mit denen er es zu tun hatte, brachen
jeden Vertrag. Er kämpfte gegen die Generäle Howard, Miles und deren Truppen und gegen andere erfahrene Offiziere,
die teilweise ihre Erfahrungen während des Bürgerkrieges gesammelt hatten. Die Truppen waren der Kriegsmacht der Nimipu
manchmal zwanzigfach überlegen, dazu waren sie noch modern ausgerüstet und bestanden aus kampferprobten Soldaten.
Ein sehr, sehr wichtiger Aspekt hierbei ist, daß Chief Joseph aber niemals mehr als über fünfhundert Krieger verfügte.
Sitting Bull oder Crazy Horse hatten z.B. über fünftausend Krieger zur Verfügung. Alle führenden Offiziere, die gegen
ihn kämpften, achteten und respektierten Chief Joseph. Für sie war er kein blutdürstiger Wilder, sonder ein Staatsmann
und Feldherr, der sich für die Freiheit seines Volkes einsetzte. Sein Ziel war es stets, durch Widerstand einen fairen
Friedensvertrag zu erhalten, der den Nimipu die alten Jagdgründe, also ihre Heimat und vor allen Dingen das Wallowa Valley,
zusicherte. Colonel G.O.Shields sagte einmal über Chief Joseph: Er war einer der größten Indianer in der Geschichte von
Amerika. In ihm vereinigten sich der Mut von Red Cloud, die Redegabe von Tecumseh, die Geschmeidigkeit von Spotted Tail,
die Tapferkeit von Crazy Horse und die Staatskunst eines Quanah Parker (Häuptling der Comanchen).
Chief Joseph wußte, daß er die Armee in vielen Gefechten und Schlachten
besiegen mußte, damit er den bestmöglichen Friedensvertrag aushandeln
konnte, dann würden die Weißen es nicht wagen, sein Volk und ihn in
Reservate einzusperren, in Landstriche, die den Weißen nicht gut genug
waren. Also führte er weiter Kriege. In 11 Wochen führte er seine Gruppe
kämpfend etwa 25oo Meilen durch 5 US-Armeen hindurch und legte durch
eine geradezu geniale Guerilla-Kriegsstrategie eine Armeegruppe nach der
anderen lahm. Eine von ihnen hatte General Howard unter seinem Befehl.
Chief-Joseph gelang es mit Hilfe der Häuptlings Looking Glass seine
Krieger auf 25o anwachsen zu lassen und traf auf die inzwischen 700
starke Truppe von General Howard. Den ganzen Tag tobte die Schlacht und
Chief-Joseph bewies durch seine strategischen Meisterleistungen, daß er
ein ebenbürtiger Gegner war. Man beschloß weiter Richtung Kanada zu
ziehen. Doch ihnen wurde der Weg versperrt und Chief-Joseph, Looking
Glass und White Bird versuchten mehrere Tage vergeblich zu verhandeln.
Man beschloß nach diesen vergeblichen Bemühungen die Barrikade zu
umgehen und weiter zu ziehen. Immer wieder wurden sie angegriffen und
konnten nur mühsam weiter auf ihren Weg Richtung Kanada ziehen.
Chief-Joseph faßte den Plan nun in südl. Richtung, von Kanada weg, zu
ziehen, um seine Verfolger zu täuschen und abzuschütteln. 80 Nimipu
wurden durch einen grausamen und hinterhältigen Feuerüberfall getötet,
darunter waren über zwei Drittel Frauen und Kinder. Da sich die Nimipu
im Gebiet der Crow befanden, baten sie um deren Beistand, doch diese
lehnten entschieden ab und statt dessen verständigten sie Colonel
Sturgis. Es gelang Sturgis mit 35o Kavalleriesten Chief-Joseph und seine
Leute einzuholen, der konnte aber im letzten Moment entkommen. Joseph
plante sich bis zum Musselshell River durchzuschlagen und von dort aus
weiter Richtung Kanada zu ziehen. Doch auf halbem Weg wurden sie von
General Sturgis im Canyon Creek eingeholt. Die Scharfschützen von Joseph
hielten sie in Schacht, damit die anderen weiterziehen konnten. Nur
noch 50 Meilen trennten sie von der kanadischen Grenze als sie nahe der
Bear-Paw-Mountains, (südl. der Stadt Chinook am Milk River) eine
Ruhepause einlegen mußten. Chief-Joseph ahnte nicht, das General Miles
und General Howard sich seinem Lager im Eiltempo näherte. Die
Cheyenne-Scouts schnitten den Nimipu den Weg ab und entdeckten ihr
Lager. Der General eröffnete das Feuer. Doch durch seine Späher war
Chief-Joseph gewarnt und er konnte Frauen und Kinder in Sicherheit
bringen. Bei dieser Schlacht verlor Chief-Joseph seinen Bruder Ollokot,
der Häuptling seiner jungen Krieger war und seinen Schamanen. General
Miles forderte durch einen Parlamentär zu einer bedingungslosen
Kapitulation auf. Doch Chief-Joseph lehnte entschieden ab. Als Miles
Unterhändler nach einer erneuten Schlacht, Chief-Joseph zu einem
Gespräch bat, nahm dieser an. Miles hielt Joseph zwei Tage, trotz weißen
Fahne, gefangen und versprach den Nimipu, daß wenn sie ihre Waffen
abgeben würden, Miles sie zurück in ihre Heimat führen würde. Doch die
Nimipu lehnten entschieden ab. Statt dessen nahmen sie zum Austausch
gegen ihren Oberhäuptling einen Leutnant fest. Kaum waren die Geiseln
ausgetauscht, wurden sie abermals durch General Miles beschossen. Für
einen erneuten Angriff war dieser aber wiederum zu geschwächt und so
sandte er Nachricht an General Howard, der dann mit seiner Truppe
eintraf.
Der Krieg zwischen Chief Joseph und General Miles und General Howard
näherte sich nun seinem traurigen und historischem Ende. Am 5. Oktober
1877 traf General Howard ein und Chief-Joseph rief nach einer erneuten
Kapitualationsaufforderung seine Häuptlinge noch einmal zu einer letzten
Beratung zusammen. White Bird und Looking Glass wollten bis zum Tode
weiterkämpfen. Zögernd schob Chief-Joseph seine Entscheidung auf. Am
vierten Tag der Belagerung unter General Miles und General Howard wurde
Looking Glass durch einen Scharfschützen erschossen. Am 6. Oktober
schließlich kapitulierte Chief-Joseph und sein Stamm der Upper
Nez-Perce, die nur 54 Kilometer von Kanada entfernt waren. White Bird
und einer Schar von Kriegern gelang die Flucht nach Kanada zu Sitting
Bull. Doch für Joseph und seine Stammesangehörigen gab es keine Freiheit
mehr. Sie wurden als Kriegsgefangene wie Vieh nach Fort Leavenworth in
Kansas transportiert und nicht wie General Miles es versprochen hatte,
zurück in ihre Heimat gebracht. Später wurden sie in Indianerterritorium
nach Oklahoma gebracht. Die Überlebenden von White Bird und Looking
Glass durften im Jahre 1885 zurück in das Reservat ihres Volkes, nach
Lapwai zurückkehren.
Joseph und die etwa 150 Angehörigen seines Stammes wurden nach Nespelm
in das Colville-Reservat im Staat Washington evakuiert, wo sie bis an
ihr Lebensende in der Verbannung lebten. Dort starb Chief Joseph am
21.11.1904. Laut ärztlichem Totenschein starb er an gebrochenem Herzen.
Seine Worte, die er bei Unterzeichnung seiner Kapitulation sprach, sind
Geschichte geworden und seine Guerilla Strategie wird auch noch heute
an der West Point Military Academy gelehrt.

Die Übersetzung von diesen Worten:
"Ich bin des Kämpfens müde. Unsere Häuptlinge sind gefallen. Looking Glass ist tot. Toohulhulsote ist tot. Keiner der alten Männer ist mehr am Leben. Jetzt sind es die junge, die Ja oder nein sagen müssen. Mein Bruder Ollokot, der die jungen Männer führte, ist tot. Es ist kalt und wir haben keine Decken. Die kleinen Kinder erfrieren. Ein paar von meinen Leuten sind in die Berge geflohen, sie haben keine Decken und nichts zu essen. Niemand weiß, wo sie sind, vielleicht erfrieren sie. Ich möchte meine Kinder suchen und sehen, wie viele von ihnen ich finden kann. Vielleicht werde ich sie unter den Toten finden. Hört mich an, meine Häuptlinge! Ich bin müde, mein Herz ist krank und traurig. Seht, wo die Sonne jetzt steht- von nun werde ich nie wieder kämpfen."
Die Übersetzung eines Liedes von Ron Peterson, welches er über Chief Joseph gemacht hat, lautet:
Worte des Feuers und Taten des Blutes;
Vielleicht denkst Du der Schöpfer sandte Dich um über uns zu entscheiden, so wie Du es passend findest.
Wenn ich denken würde, Du wärst vom Schöpfer gesandt, dann wäre ich
veranlaßt zu denken, Du hättest ein Recht über mich zu verfügen.
Verstehe mich nicht falsch, aber verstehe mich in Bezug zu meiner Liebe
für das Land. Ich sagte nie, das Land wäre meines, um damit zu machen,
was ich wollte.
Derjenige, der ein Recht hat, über es zu verfügen, ist derjenige, der es erschaffen hat.
Ich fordere das Recht auf meinem Land zu leben und bewillige das Privileg zu seinem zurückzukehren.
Bruder, wir haben Deine Worte, die von unseres Vaters, den großen
Häuptling in Washington kamen, zugehört und meine Leute haben mich
gebeten, Dir zu antworten und in den Winden, die durch diese alten
Pinien wehen, hörten wir das Wehklagen ihrer gegangenen Seelen und wenn
die Stimme unserer Leute gehört werden könnte, wäre dieses nie
geschehen. Aber sie sind dabei und können weder gesehen noch gehört
werden. Ihre Tränen fallen wie die Tropfen des Regens.
Ich höre meine Stimme in den Tiefen des Waldes. Aber keine antwortende Stimme kommt zurück zu mir. Nur Stille ist um mich
herum. Meine Worte müssen zu gering sein. Ich kann jetzt nichts mehr sagen. Es ist Stille, hat nichts zu antworten,
wenn die Sonne untergeht.
